wir retteten

Was rettest du?

eine Freundschaft, ein Haustier, einen Baum, den Kiosk an der Ecke, die eigene Laune…

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Ich rette mich selbst vor der Angst, nie genug zu sein.

Im Weg steht die Stimme, die regelmäßig anklopft und mir einredet ich müsste noch mehr machen.

Mein erster Schritt: Ab sofort bleibt jeden Tag mindestens eine Sache absichtlich liegen. Gestern, mein Geschirr.

Bob Juni 2026

Wir retteten: ein Gespräch, welches überfällig war.

Zwei Brüder, ein geerbtes Haus, drei Jahre Funkstille. Der Anruf dauerte nur ein paar Minuten.. aber das Treffen danach einen ganzen Nachmittag und wir haben eine Lösung gefunden.

(Manche Rettungen brauchen keinen großen Plan. Nur eine Nummer und ein Anruf.)

Mai 2026

Ich rette den Kiosk an unserer Ecke.

Im Weg steht dass alle nur noch an der Tanke kaufen. Ich auch, ehrlich gesagt.

Mein erster Schritt: Zeitung und Kaugummi wieder bei Herrn K. holen. Und ihn mal fragen, wie es wirklich läuft.

Sercan Dortmund Juni 2026

Ich rette eine Freundschaft die gerade leise verschwindet.

Im Weg steht dass keiner von uns beiden anfängt.

Mein erster Schritt: Heute Abend anrufen. Nicht schreiben, anrufen!

M. Leipzig Juli 2026

Ich rette die alte Kastanie am Spielplatz.

Im Weg steht eine geplante Zufahrt, mitten durch ihre Wurzeln.

Mein erster Schritt: Beim Bauamt anrufen und erst mal fragen, wie der Stand ist. Montag, in der Frühstückspause.

Heike Bremen Juni 2026

Wir retteten: die Schwalbennester am Haus in der Bahnhofstraße.

Der Eigentümer wollte sie bei der Sanierung entfernen lassen. Ein Treppenhausgespräch und vier Kotbretter später hängen alle sechs Nester noch.

(Manche Rettungen kosten zwanzig Euro und ein Gespräch im Treppenhaus.)

Kassel Mai 2026

Ich rette bezahlbares Wohnen in meinem Viertel.

Im Weg steht

Mein erster Schritt: Zur nächsten Sitzung vom Mieterverein gehen. Erst mal nur zuhören.

Ayşe Berlin Juli 2026

Wir retteten: „die Bücherkiste im Waschsalon“

Erster Schritt: „Zehn eigene Bücher hinbringen und ein Schild danebenstellen.“

Zwei Wochen später: Hab ich gemacht. — Am dritten Tag lagen schon fremde Bücher drin.

Nach 3 Tagen.

(großartig, viel Spass beim Lesen und Teilen)

Selma Bremen Juli 2026

Wir retteten: „den Kontakt zu meinem Patenkind“

Erster Schritt: „Am Sonntag anrufen. Nicht schreiben..anrufen!“

Zwei Wochen später: Hab ich gemacht. — Wir haben eine Stunde telefoniert. Nächsten Monat komme ich vorbei.

Nach 5 Tagen.

(einfach nur schön)

Katrin Osnabrück Juli 2026

Wir retteten: „die Sitzbank am Deich“

Erster Schritt: „Beim Deichverband anrufen und fragen, wem sie eigentlich gehört.“

Zwei Wochen später: Hab ich gemacht. — Sie gehört dem Deichverband. Zwei Bretter liegen jetzt bereit.

Nach 7 Tagen.

Uwe Jever Juli 2026

Ich rette den Gemeinschaftsgarten hinter der Turnhalle.

Im Weg steht der Verein ist überaltert und keiner will die Schlüssel abgeben.

Mein erster Schritt: Beim Sommerfest ansprechen, wer eigentlich mitmachen dürfte.

Zwei Wochen später: Angefangen — zäher als gedacht. — Angesprochen habe ich sie. Jetzt warte ich auf die Vorstandssitzung.

Ferdi Kiel Juli 2026

Ich rette meine Oma davor so alleine zu sein.

Im Weg steht die Entfernung.

Mein erster Schritt: ein Videocall Gerät besorgen.

Zwei Wochen später: Angefangen — zäher als gedacht.

Paul Juli 2026

Ich rette die alte apfelwiese von meinem opa.

Im Weg steht niemand erntet mehr,das obst liegt einfach da.

Mein erster Schritt: im herbst mal fragen ob wir mit der schule pflücken dürfen.

jonas_07 Celle Juli 2026

Ich rette die Insekten im Hinterhof.

Im Weg steht die Hausverwaltung mäht alles kurz, auch den Streifen an der Mauer.

Mein erster Schritt: Den Gärtnern erklären das sie die Stelle nicht mähen sollen.

Miriam Fürth Juli 2026

Ich rette meine Mittagspausen.

Im Weg steht dass ich sie seit Jahren am Schreibtisch verbringe.

Mein erster Schritt: Ab morgen: raus, midestens zwanzig Minuten, ohne Handy. Auch bei Regen.

Tim Juli 2026

Was rettest du?

Drei Zeilen, so wie auf den Karten oben. Die mittlere darfst du offenlassen.

Was rettest du?

Darfst du offenlassen. Die Zeile bleibt trotzdem stehen.

Schon passiert, oder braucht es keinen? Lass die Zeile offen — dann fragen wir später auch nicht nach.

Wir fragen in zwei Wochen einmal nach, wie dein erster Schritt lief. Sonst nichts, kein Newsletter.

Jeder Beitrag wird von einem Menschen gelesen, bevor er erscheint — meist dauert das ein, zwei Tage.

Was mit deinen Angaben passiert, steht in der Datenschutzerklärung.

Warum wir nach dem Hindernis fragen

Es gibt eine Falle, die fast jeder kennt: Man spricht einen Wunsch aus, jemand nickt, vielleicht gibt es sogar ein paar Herzen dafür. Und dieses gute Gefühl reicht dann irgendwie. Der Wunsch fühlt sich schon halb erledigt an, obwohl noch gar nichts passiert ist.

Deshalb bleibt es hier nicht beim Wunsch. Wir fragen nach zwei Dingen, die ein Wunsch normalerweise nicht hat. Erstens: Was steht eigentlich im Weg? Das ist bei jedem etwas anderes. Manchmal etwas, das größer ist als man selbst. Manchmal die Angst, sich lächerlich zu machen. Der eigene Stolz. Die Gewohnheit. Das Gefühl, dass es auf einen selbst nicht ankommt. Oder schlicht ein Alltag, in dem nie der richtige Moment ist. Wer sein Hindernis benennt, nimmt es ernst, und oft wird es beim Benennen schon ein Stück kleiner. Und zweitens: Was ist der kleinste Schritt, der trotzdem geht? Eine Sprachnachricht. Ein Laubhaufen, der liegen bleibt. Einmal hingehen und zuhören. Wer diesen Schritt einmal aufgeschrieben hat, weiß für die Zukunft, was konkret zu tun ist.

Mehr Theorie steckt nicht dahinter. Weniger allerdings auch nicht.

Also: Was steht bei dir im Weg?

Warum „wir“?

Jede Karte auf dieser Wand spricht als Ich. Das Wir kommt erst später, und es kommt nur an einer Stelle: wenn ein erster Schritt gegangen wurde. Dann wird aus „Ich rette“ ein „Wir retteten“ — nicht weil wir mitgerettet hätten, sondern weil jede gegangene Rettung Teil von etwas Größerem wird: der wachsenden Sammlung von Dingen, die gerettet wurden, weil jemand angefangen hat, sie auszusprechen. Die Tat gehört dir. Der Satz gehört uns allen.

Die Regeln

Es sind nur drei.

Gerettet wird alles, was dir wichtig ist: Orte, Beziehungen, Dinge, Lebewesen, auch du selbst. Nur eines nicht: Hier rettet niemand etwas „vor“ anderen Menschen oder Gruppen. Bedrohungen dürfen Zustände sein, keine Personen.

Jeder Beitrag wird von Menschen gelesen, bevor er auf der Wand erscheint. Nicht um zu zensieren, sondern damit diese Wand ein Ort bleibt, an dem man auch das Verletzliche hinschreiben kann.

Und wenn ein Beitrag mal nicht erscheint? Dann war nicht unbedingt etwas falsch. Manchmal ist nur der erste Schritt zu groß geraten — dann hilft es, beim nächsten Mal einen kleineren vorzuschlagen, einen, der sich wirklich schaffen lässt.

Und: Das Kleine zählt hier genauso wie das Große. Der Kiosk an der Ecke steht gleichberechtigt neben dem Klima, die Igel neben der Freundschaft. Wer das Kleine ernst nimmt, traut sich irgendwann ans Große. Retten ist eine Übungssache.

Was daraus werden soll

Ehrlich gesagt: Die Wand ist erst der Anfang, und das meiste, was wir vorhaben, gibt es noch nicht.

Geplant ist Folgendes. Wer beim Eintragen eine E-Mail dalässt, bekommt nach zwei Wochen genau eine Frage von uns: Wie lief dein erster Schritt? Das ist keine Kontrolle, eher ein freundliches Anklopfen. Manchmal reicht das schon, um wirklich anzufangen.

Später möchten wir Menschen zusammenbringen, die dasselbe retten wollen. Die zwei aus derselben Stadt, die beide denselben Bach meinen, ohne voneinander zu wissen. Solche Begegnungen kann man nicht planen, aber man kann eine Wand bauen, an der sie passieren.

Und irgendwann soll es ein freies Toolkit geben, mit dem Schulen, Vereine und Nachbarschaften ihre eigene Wand aufhängen können. Aus Papier, mit Stift, an einer echten Wand. Die Idee ist geliehen und bewährt: Die schönsten Mitmachprojekte sind die, die man nachbauen darf.

Ob das alles so kommt, hängt davon ab, was hier passiert. Womit fangen wir an?